Arno Schmidt Zettel's Traum

Arno Schmidt Zettel’s Traum (Quelle: zettels-traum-lesen.de)

Zettel’s Traum, das opum magnus Arno Schmidts, beschreibt einen Tag des Jahres 1968, an welchem der Intellektuelle Daniel Pagenstecher zusammen mit dem befreundeten Übersetzerehepaar Paul und Wilma Jakobi nebst deren Tochter Franziska einen Spaziergang durch die Lüneburger Heide unternimmt. Äußerlich und formal stark an James Joyce Ulysses orientiert, dessen erzählte Zeit ebenfalls die Spanne eines einzigen Tages umfasst, geht es im Text Schmidts vor allen Dingen um die sogenannte ETYM-Theorie. Mit deren Hilfe möchte Pagenstecher der im Werden befindlichen Neuübersetzung der Werke Edgar Allan Poes durch Paul und Wilma ein innovatives Moment hinzufügen.

Im Rahmen der daraus entstehenden Unterhaltung kommen mannigfaltige Themen zur Sprache, wobei Pagenstecher, der ein Auge auf Franziska geworfen hat, jede Möglichkeit nutzt, diese mit seiner Universalbildung zu beeindrucken. So lässt er sich gegen Ende des i. Buches auch über die Mentalität des Gammelns aus, die seiner Meinung nach in der Jugend der 60er Jahre weit verbreitet und vom reaktionären Geist des Berufssoldatentums beseelt sei:

Wir befindn uns, ungefähr seit dem Ersten Weltkrieg, in einer, langsam anlaufenden & vermutlich ein paar Jahrhunderte währenden Epoche; vergleichbar etwa der Völkerwanderungszeit : damals haben auch, das Schlägertum der germanischen Partisanenvölker, plus ‚Gegammel‘ des späten Rom, plus die Geistesabwürgung durch das Xentum – : beinahe das Auslöschen der Kultur geschafft! […]

Kunst herzustellen ist Schwerst=, sie richtig zu verbrauchen, Schwer=Arbeit. (137-138)

Es sind Passagen wie diese, die Schmidt den Vorwurf einbrachten, sein Gedankengut weise rückwärtsgewandte Züge auf und vertrage sich deshalb nicht mit dem experimentellen Anspruch seiner Texte. Unzweifelhaft bringt Pagenstecher mit den zitierten Zeilen jedoch ein ebenso wortgewaltiges wie schlagfertiges Plädoyer für die ernsthafte Beschäftigung mit Kunst vor, das nicht nur die Produktion, sondern auch die Rezeption zu würdigen weiß.