Oettinger Pils, Quelle: Von FakirNL - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28260942

Ein Buch, irgendwie so gut wie warmes Dosenbier: „Faserland“

Also, alles fing mit Imperium an, für mich, meine ich. Das Buch hat mir echt gut gefallen, wegen der Sprache und so, aber auch wegen der Handlung.

Ich zünde mir eine Zigarette an und denke darüber nach, dass ich Faserland nur gekauft habe, weil ich die Wartezeit bis zu Christian Krachts neuestem Buch, Die Toten, überbrücken wollte. Natürlich nicht nur deshalb. Auch ein bisschen, weil doch Faserland Krachts berühmtester Roman ist und so. Ich weiß jetzt nicht, ob ich mich da richtig ausdrücke, aber das Buch soll ja ein perfekter Spiegel der 90er Jahre sein.

Ein bisschen war ich ja schon erstaunt, dass in Faserland eigentlich gar nichts passiert. Der Erzähler reist von Party zu Party quer durch Deutschland und macht immer dasselbe: Saufen, Drogen nehmen, kotzen. Ich bin mir nicht sicher, ob klar wird, was ich damit meine: Prinzipiell ist das ja nicht schlecht, aber wenn das nun wirklich alles ist, ich weiß nicht.

Ich zünde mir wieder eine Zigarette an und denke an die hübsche Frau, die mir vorhin in der Stadt begegnet ist. Die hatte so eine Art, beim Lachen ihren Kopf in den Nacken zu werfen, die ist bestimmt gut im Bett. Aber Faserland. Ich nehme mir eine Dose Oettinger Pils aus dem Kühlschrank, denn für Jever reicht es gerade nicht, und denke weiter nach. Nämlich darüber, dass ich all das mit der ersten Person und der gezwungen lockeren Ansprache und Satire und so schon einmal gelesen habe. Richtig, das war ein Amerikaner, Bret Easton Ellis. Den kann ich zwar auch nicht ab, der ist ja irgendwie auch noch markenfixierter, oder vielmehr, seine Figuren sind es, aber er hat wenigstens nicht stumpf von einem anderen Autor abgeschrieben. Also, zumindest, soviel ich weiß.

Richtig blöd ist eigentlich, dass Faserland auch ein paar Stellen hat, über die man nachdenken kann. So Stellen, in denen steht, dass Reichtum leer macht, usw. Aber irgendwie, ich meine, der Erzähler lernt da nichts draus. Er macht einfach weiter und irgendwann ist es dann zu Ende.

Ich zünde mir erneut eine Zigarette an und denke, dass ich meine Zeit auch besser hätte verbringen können; auf einer Party auf Sylt zum Beispiel. Oder mit geduldigem Warten auf Die Toten.

Faserland
Published by: Fischer Taschenbuch
Edition: 5. Auflage
ISBN: 978-3-596-18532-0
Available in: Paperback

P.S.: Wer stilistische Ähnlichkeiten zum Buch selbst und zu einer gewissen Amazon-Rezension feststellt, dem sei gesagt: Diese sind beabsichtigt.