Logo des Suhrkamp Verlags

Logo des Suhrkamp Verlags (Quelle: textunes.de)

Seit gestern ist es offiziell: Dem Plan des Suhrkamp Verlags, sich mit Hilfe eines Insolvenzverfahrens in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln, wurde vom Amtsgericht Berlin-Charlottenburg stattgegeben. Ziel ist die Sicherung der Handlungsfähigkeit des traditionsreichen Hauses, die durch interne Streitigkeiten vor allen Dingen zwischen den Anteilseignern Hans Barlach und Ulla Unseld-Berkéwicz in der jüngeren Vergangenheit einer starken Gefährdung ausgesetzt war.

Barlach mit Klage gescheitert

Mit der Gerichtsentscheidung ist Hans Barlachs Klage gescheitert: Seine Medienholding AG Winterthur, die 39 Prozent der Verlagsanteile hält, hatte im Mai versucht, die Änderung der Rechtsform juristisch zu blockieren. Und dies aus gutem Grund: Als Aktiengesellschaft würde der Suhrkamp Verlag nicht mehr direkt von den Gesellschaftern kontrolliert, sondern von einem eigens eingesetzten Vorstand, der wiederum unter Überwachung eines durch die Aktionäre bestimmten Aufsichtsrats stünde. Die Gesellschafter wären nach wie vor am Suhrkamp Verlag beteiligt, könnten ihre Aktien allerdings gegen eine Abfindung abgeben.

Was ändert sich durch die neue Rechtsform?

Für die Wahrnehmung des Suhrkamp Verlags in der Öffentlichkeit wird sich – so zumindest der Plan – nichts ändern. Es ist laut Bericht der FAZ auch vorgesehen, alle Arbeitsplätze zu erhalten. Für das operative Tagesgeschäft bedeutet die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft hoffentlich eine erneute Konzentration auf das Kerngeschäft des Verlagswesens. Wie der Verkauf der ‚Washington Post‘ an den Amazon-Gründer Jeff Bezos in dieser Woche gezeigt hat, sieht es ohnehin düster aus für die Zukunft des gedruckten Wortes.

Unklar bleiben freilich Hans Barlachs Pläne. Ein Blick in die Vergangenheit der Streitigkeiten lässt kaum vermuten, dass er sich sang- und klanglos mit der Entscheidung zufriedengeben wird. Es bleibt im Sinne der unrühmlichen jüngeren Geschichte des einst großen Verlagshauses jedoch zu wünschen, dass nun wieder etwas Ruhe einkehrt.