Eine gefühlte Ewigkeit währt er jetzt schon, der unrühmliche Streit um den Traditionsverlag Suhrkamp. Am 20. März 2013 wurden dem umstrittenen Investor Hans Barlach vom Frankfurter Landgericht nun 2,18 Millionen Euro Rendite zugesprochen. Das Geld stehe Barlach laut Beschluss als rechtmäßiger Anteil der erwirtschafteten Gewinne des Jahres 2010 zu.

Der Streit um den Suhrkamp Verlag – Hintergründe

Barlach kaufte zum Jahreswechsel 2006/2007 die Suhrkamp-Anteile der Familie Reinhart, die durch Vermittlung Hermann Hesses nach 1945 den Wiederaufbau des Verlags maßgeblich finanziell unterstützt hatte. Inzwischen gehören ihm über die Medienholding AG Winterthur 39 Prozent des Hauses. Dies wiederum ist der Witwe des ehemaligen Leiters Siegfried Unseld, Ulla Unseld-Berkéwicz, seither ein Dorn im Auge, da sie die Rechtmäßigkeit der Übernahme anzweifelt. Sie hält mit der Familienstiftung 61 Prozent an den Verlagsanteilen. Zum Eklat kam es am 10. Dezember des vergangenen Jahres, als Barlach vor dem Frankfurter Landgericht die Absetzung Unseld-Berkéwicz als Geschäftsführerin durchsetzte.

Ökonomie vs. Kunst – Die Unvereinbarkeit von Geist und Welt

Im Zuge des seither offen ausgetragenen Konflikts zwischen den Anteilseignern hat sich eine Reihe namhafter Autoren auf die Seite der Verlegerin geschlagen. Stets wurde in den teils hitzigen Diskussionen das Argument ins Feld geführt, Barlach hätte als Medieninvestor keine Ahnung von künstlerischem Schaffen und geistiger Tradition. Barlach selbst hingegen vertrat und vertritt die entgegengesetzte Position: Ein Verlag müsse sich auch ökonomisch rentieren, um am Markt bestehen zu können. Beide Positionen sind prinzipiell nachvollziehbar, im aktuellen Streit treffen sie scheinbar unversöhnlich aufeinander. Der bereits bemühte Hermann Hesse, dessen ewiges Thema – man erinnere sich nur des Glasperlenspiels – die Unvereinbarkeit von Geist und Welt war, hätte keinen besseren Stoff für einen weiteren Roman finden können.

Suhrkamps Zukunft ungewiss

Ungewiss bleibt freilich, wohin es mit Suhrkamp zukünftig gehen wird. Sollte Barlach tatsächlich eine vollkommene Umstrukturierung des Verlags durchzusetzen in der Lage sein, ist es – dazu bedarf es keinerlei Pessimismus – um die Werte geschehen, für die das Haus seit jeher steht. Es bleibt der literarischen Landschaft Deutschlands zu wünschen, dass sich der Investor nicht nur der finanziellen, sondern auch der künstlerischen Verpflichtung erinnert, die seine Aufgabe mit sich bringt. Denn ein Erbe ist nicht nur monetärer Natur; gerade im Falle des Suhrkamp Verlags gilt es auch, der geistigen Tradition gerecht zu werden.