Autorschaft verbindet, jeder Leser kennt das. Erscheint ein neues Buch von Joanne K. Rowling, wird es zunächst ein Erfolg, egal wie gut oder schlecht es ist. Gleiches gilt für Namen wie Stephen King, Dan Brown, Umberto Eco oder – wundersamerweise – für David Safier. Es ist ein wenig so wie ein Treffen mit einem alten Freund: Man weiß, was einen erwartet (oder bildet es sich zumindest ein), man wird ab und an enttäuscht, manchmal überrascht, aber im Prinzip ist der Lieblingsautor oder die Lieblingsautorin eine sichere Bank im unüberschaubaren Dschungel literarischer Neuerscheinungen. Übersetzt in das Literaturfreunden oft verhasste Vokabular der Wirtschaft heißt das: Autorschaft ist Marketing.

Das Konzept ‚Autor‘ im Internet

Das Potential des Autorenkonzepts hat inzwischen auch der Suchmaschinenriese Google erkannt und bietet Schreiberlingen im Internet seit 2011 die Möglichkeit an, ihre Artikel im HTML-Code mit einem kleinen aber feinen Attribut auszustatten, das den Urheber des Dokuments indiziert. Mit Hilfe der Relation rel=“author“ ist es beispielsweise möglich, einen Blogbeitrag einem Verfasser zuzuordnen, was sich in den Suchergebnissen in Form von Bildern niederschlagen kann. Sucht man beispielsweise über die Site-Abfrage nach dem letzten literarischen Wochenrückblick meines Blogs, wird folgendes Ergebnis ausgegeben:

rel=author auf wilkosteffens.de in den SERPS

rel=author auf wilkosteffens.de in den SERPS

Dies ist möglich, weil ich auf wilkosteffens.de das rel=“author“-Attribut eingepflegt habe, was, eingebunden in den Quellcode, folgendermaßen aussieht:

rel=author auf wilkosteffens.de im HTML-Code

rel=author auf wilkosteffens.de im HTML-Code

Eine ausführliche Anleitung zur Implementierung des Tags gibt es auf den Seiten des Google Supports.

Was nützt Google rel=“author“?

Ich hatte im vorigen Absatz vom wirtschaftlichen Potential des so genannten Author-Tags für Google geschrieben. Dieses ergibt sich aus dem Zielsatz des US-Unternehmens, den Nutzern die relevantesten Suchergebnisse zu ihren Anfragen auszuliefern. Selbstverständlich will Google das, denn ansonsten wählen die User eine andere Suchmaschine aus, die passendere Ergebnisse bereithält. Relevanz ist jedoch nicht so ohne Weiteres messbar, weshalb der Algorithmus des Konzerns immer komplexer wird. Von diesen Anstrengungen zeugen die regelmäßig ausgerollten Penguin- und Panda-Updates. Und genau hier bietet rel=“author“ eine weitere Variable, den so genannten AuthorRank, anhand derer die Qualität virtueller Texte und Websites gemessen werden kann. Beiträge etablierter Autoren und deren Empfehlungen in Form von Links scheinen in naher Zukunft platzierungsrelevant zu werden. Glaubt man den einschlägigen SEO-Plattformen, sind sie es bereits.

Darüber hinaus ist die Implementierung des Author-Tags nur im Rahmen einer Verknüpfung mit dem eigenen Google+-Profil möglich. Dieses muss demnach vorhanden sein, was die Nutzerzahlen des hauseigenen Social Media-Kanals natürlich in die Höhe treibt. Mit Blick auf den nach wie vor besser aufgestellten Konkurrenten Facebook lässt sich da nur sagen: Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Natürlich stellt sich hier wie auch beim Algorithmus überhaupt die Frage, wie objektiv solche Autorenbewertungen eigentlich sein können: Sicherlich spielen beim Author-Tag Social Signals eine herausragende Rolle, aber auch Dinge wie Absprungrate und die durchschnittliche Besuchszeit könnten sich im Qualitätsprofil niederschlagen. In einigen Bereichen mag dies ein Indiz für gute bzw. schlechte Inhalte sein, in anderen Bereichen wohl eher nicht.

Was nützt mir rel=“author“?

Der Nutzen für den Websitebetreiber kann je nach Branche ein großer sein. Möchte man mit seinem Blog obere Platzierungen erreichen, hilft einem natürlich eine entsprechende Reputation. Wie ein sehr interessanter Beitrag von Justin Briggs zeigt, kann der geschickte Einsatz von Rich Snippets sogar kleinere Nachteile im Ranking ausgleichen. Möchte man sich dagegen im Bereich des Content Marketings einen Namen machen, kommt man um die Auszeichnung ebenfalls nicht herum. Im Online-Marketing drängt sich der Vorteil des Attributs daher geradezu auf, denn höhere Positionen bedeuten in der Regel einen Anstieg des traffics und damit eine Steigerung der Conversions, liegen diese nun in einem Abverkauf, im Abonnement eines Newsletters oder aber schlicht und ergreifend im Ausfüllen und Abschicken eines Kontaktformulars.

Das Author-Tag und sein wissenschaftliches Potential

Die Auszeichnung der eigenen Beiträge birgt jedoch – ein entsprechendes Engagement vorausgesetzt – auch ein enormes wissenschaftliches Potential, das zumindest in den philologischen Fakultäten hierzulande noch nicht genutzt wird. Während sich die meisten universitär Beheimateten im Streben nach der Verlängerung ihrer Publikationsliste mit teils verqueren Verlagsbedingungen, katastrophalen Veröffentlichungsverzögerungen und hohen Kosten herumschlagen müssen, bietet rel=“author“ auch im Netz die Möglichkeit, qualitativ exzellente Inhalte mit dem eigenen Namen zu verknüpfen und sich so als Experte einen Namen zu machen. Ein Bekannter von mir wagte gar die These, dass sich literaturwissenschaftliche Dissertationen und Habilitationen in (ferner) Zukunft womöglich aus Blog- und Gastbeiträgen zusammensetzen könnten. Dies mag utopisch klingen, doch letztlich setzt sich in den meisten Fällen früher oder später die Ökonomie durch. Da können gewisse Teile der klassischen Philologien das Internet noch so lange als Kloake der Menschheit verdammen.