Medaille des Nobelpreises für Literatur

Medaille des Nobelpreises für Literatur (Quelle: hemingwayswelt.de)

In der kommenden Woche startet die Frankfurter Buchmesse 2014, auf der am 6. Oktober im Kaisersaal des Frankfurter Römers einmal mehr der umstrittene Deutsche Buchpreis verliehen wird. Wenn sich alles in althergebrachten Bahnen bewegt, erfolgt zum Auftakt der Veranstaltung darüber hinaus die Bekanntgabe des kommenden Literaturnobelpreisträgers. Wie immer dreht sich das Spekulationskarussell auf Hochtouren, wie immer macht sich der Kritiker auf eine Enttäuschung gefasst, während der literarische Otto-Normal-Verbraucher sich verwundert am Kopf kratzen wird: Wer bitte sind Herta Müller, Tomas Tranströmer oder auch Alice Munro? Da die Selektionskriterien des Komitees denkbar intransparent sind, habe ich für Sie mal die heißesten (Dauer-)Kandidaten zusammengestellt.

Der ewige Anwärter: Philip Roth

Der 1933 geborene amerikanische Autor Philip Roth ist seit geraumer Zeit der Dauerfavorit für den Nobelpreis, weshalb ich behaupte: Der erhält ihn mal wieder nicht. Verdient hätte er es allemal, auch wenn seine schnörkellose, klare und packende Prosa bisweilen ebenso einmalig ist wie seine Unfähigkeit, zwischenmenschliche Sexualität literarisch zu erfassen. Bestes Beispiel für dieses wohl einmalige Licht-und-Schatten-Spiel: Exit Ghost.

Die Pilgerjahre des nobelpreislosen Surrealisten: Haruki Murakami

Wie Roth gilt auch der japanische Autor Haruki Murakami als Daueranwärter auf die Auszeichnung. Beide verbindet überdies die unter Nobelpreisträgern für Literatur seltene Eigenschaft, auch wirklich gelesen zu werden: Sie sind nicht bloß Kritiker-, sondern auch Publikumslieblinge. Übrigens: Murakami erhält dieses Jahr den „Welt“-Literaturpreis: Ob er den wohl haben möchte?

Der Antikolonialist: Ngugi wa Thiong’o

Der kenianische Schriftsteller Ngugi wa Thiong’o wird 2014 ebenfalls als heißer Kandidat für die begehrte Auszeichnung geführt. Er setzte sich Zeit seines Lebens für den Widerstand gegen die britische Kolonialpolitik ein und saß unter Jomo Kenyatta aufgrund seiner kritischen Werke im Gefängnis.

Chronist der ungarischen Geschichte: Péter Nádas

Péter Nádas Roman Parallelgeschichten verschaffte mir eines der eindrücklichsten und nachhaltigsten Leseerlebnisse meines bisherigen Lebens. Ganze 18 Jahre arbeitete er an der Entstehung des über mehrere zeitliche und räumliche Ebenen hin entworfenen Romans und in dem mehr als 1.700 Seiten umfassenden Werk steht nicht ein einziges Wort zu viel. Selten war ungarisch-deutsche Geschichte spannender. Mein Wunschkandidat, aber das wäre wohl zu schön, um wahr zu sein.

Wider das Patriarchat: Assia Djebar

Glaubt man dem Rumoren im Netz, ist die Favoritenliste in diesem Jahr in erster Linie eine männliche. Ausnahme unter den heißesten Kandidaten ist Assia Djebar, die 1936 unter dem Namen Fatima-Zohra Imalayène in der Nähe von Algier geboren wurde. Bereits ihr erster Roman La Soif von 1957 machte sie mit einem Schlag berühmt. Er erzählt die Geschichte einer jungen arabischen Frau und ihres Versuches der Emanzipation. Auf Deutsch erschien zuletzt die an ihre Biographie angelehnte Erzählung Nirgendwo im Haus meines Vaters.

Update: Nun taucht auch Patrick Modiano unter den Favoriten der Buchmacher auf

Auf der Liste der Buchmacher steht nun plötzlich noch ein weiterer Name, nämlich derjenige des französischen Dichters Patrick Modiano. Das letzte Mal ließ sich ein solcher Aufstieg 2009 im Falle Herta Müllers beobachten und sie hat den Preis bekanntlich erhalten. Am Donnerstag gegen 13.00 Uhr werden wir wahrscheinlich schlauer sein: Sollte die Wahl der Jury tatsächlich auf Modiano fallen, dann erscheint Andreas Platthaus Vermutung in der ‚FAZ‘ durchaus plausibel, es gäbe ein Informationsleck in der Schwedischen Akademie.

Wer es nun wird? Das weiß nur der Peter

Die nunmehr sechs genannten Autoren werden auf der Liste von Ladbrokes hoch gehandelt. Doch wenn uns die Erfahrung der vergangenen Jahre eines gelehrt hat, dann die Unberechenbarkeit des Komitees. Peter Englund, Ständiger Sekretär der Schwedischen Akademie, ließ durchsickern, dass unter den 210 Nominierten dieses Jahr ganze 36 Neuzugänge zu verzeichnen seien. Es wäre nicht verwunderlich, ginge der Preis an einen von ihnen.

Wer ist Ihr Favorit? Posten Sie ihn gerne im Kommentarbereich.