Bücher des Jahres 2017

Meine Bücher des Jahres 2017

In literarischer Hinsicht war 2017 ein sehr gutes Jahr für mich. Ich habe Stephen Kings Saga vom Dunklen Turm abgeschlossen. Darüber hinaus bin ich recht gut vorangekommen mit meinem Vorhaben, endlich Auf der Suche nach der verlorenen Zeit komplett zu lesen. Nicht zuletzt hat mir Thomas Hofmanns Erlöste und Verdammte Martin Luther und die Reformation nähergebracht; daran war, ich gebe es zu, v.a. das 500. Reformationsjubiläum schuld.

Allerdings trage ich dieses Jahr zum ersten Mal überhaupt einen beträchtlichen Stapel ungelesener Bücher vor mir her und ich habe es nicht geschafft, auch nur einen Bruchteil meiner Lektüren auf diesem Blog zu besprechen. Das stresst mich bisweilen, weil es mir vor Augen führt, wie viele interessante Werke es gibt, die ich niemals werde lesen und kommentieren können. Ich bin daher auch immer wieder überrascht, dass es einigen Bloggern gelingt, sich durch alle Long- und Shortlists hindurchzuarbeiten. Das würde ich auch gerne, es wird aber ein vollkommen unrealistisches Begehren bleiben.

Hier sind meine fünf Bücher des Jahres 2017. Wie auch schon im Vorjahr, folgt die Aufzählung keiner Hierarchie und nicht alle Werke sind tatsächlich im auslaufenden Jahr erschienen:

Péter Nádas: Aufleuchtende Details

In seinen ausufernden Memoiren verabschiedet sich Péter Nádas von der Chronologie der Ereignisse, nimmt verschiedene Details seines Lebens assoziativ in den Blick und entwirft ein (familien)historisches Panorama, das den Wechsel von Makro- und Mikroperspektive virtuos inszeniert. So entsteht ein Erzählstrudel, der ebenso fordernd wie mitreißend ist und dennoch nie auseinanderläuft. Für mich gehört Nádas zu den großen zeitgenössischen Autoren. Aufleuchtende Details unterstreicht seinen literarischen Ausnahmestatus auf beeindruckende Art.

Kazuo Ishiguro: Was vom Tage übrig blieb

Ich habe 2017 einige Bücher Kazuo Ishiguros gelesen: Was vom Tage übrig blieb steht stellvertretend in dieser Liste, weil es mit dem Butler Stevens einen konsequent unzuverlässigen Erzähler einführt, dessen Schicksal trotz ernsthafter persönlicher und politischer Verfehlungen tief berührt.

Charles Dickens: David Copperfield

David Copperfield erzählt nicht bloß die warmherzige Geschichte eines Waisenkinds auf seinem Weg zum erfolgreichen Schriftsteller. Dickens Roman bietet auch Personal für die Ewigkeit auf. Von Copperfield selbst über den windigen Uriah Heep bis hin zu Tante Betsy hat man stets das Gefühl, es mit echten Persönlichkeiten zu tun zu haben. Eine packende Abenteuergeschichte, ein überzeugender Bildungsroman und eine sorgfältige Studie der menschlichen Psyche.

Marcel Proust: Sodom und Gomorrha

Sodom und Gomorrha ist der vierte Band von Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Er widmet sich ausführlich und mit erfrischender Offenheit dem Thema der männlichen (Sodom) sowie weiblichen (Gomorrha) Homosexualität. Wie auch schon seine Vorgänger ist der Text sprachlich eine Meisterleistung und in seiner Detailverliebtheit einzigartig. Daher gilt meine Empfehlung auch hier: Wenn Ihr Zeit verlieren wollt, dann in jedem Falle mit Marcel Proust.

Stephen King: Der Turm

Der Turm ist der siebte und abschließende Band von Stephen Kings Fantasy-Reihe Der Dunkle Turm und steht daher stellvertretend für alle Romane rund um Roland und seine Suche nach dem titelgebenden Gemäuer. Trotz eines Entstehungszeitraums von vielen Jahrzehnten gelingt King ein brillanter, stimmiger Abschluss, der lange nachhallt. Auch wenn er sich das eine oder andere popliterarische Zitat hätte sparen können, gehört Der Dunkle Turm zu den großen Werken seines ohnehin beeindruckenden Kanons.

Was waren 2017 Eure Lieblingsbücher? Schreibt Eure Meinung gerne in die Kommentare. In diesem Sinne einen guten Rutsch ins neue Jahr!