Bücher des Jahres 2016

2016 neigt sich mit großen Schritten dem Ende zu. Unzweifelhaft war es ein schwieriges Jahr, dessen Langzeitfolgen noch nicht absehbar sind. Literarisch gesehen werde ich es allerdings in positiver Erinnerung behalten, war es für mich doch ein Jahr der Neuentdeckungen. Viele davon verdanke ich der Bloggeraktion Jahr des Taschenbuchs, die mich dazu gebracht hat, regelmäßig Bücher zu kaufen und mich dabei auch mal abseits meiner gewohnten Gefilde zu bewegen. Nicht alle Käufe waren glücklich, aber einen Großteil empfinde ich als ausgesprochene Bereicherung. Umso schwerer ist mir daher die Wahl der besten Bücher des Jahres 2016 gefallen. Im Folgenden stelle ich Euch meine persönliche Top-5 vor. Sie folgt keiner hierarchischen Ordnung und kaum ein Buch ist in diesem Jahr erschienen.

Karl Ove Knausgård: Sterben

Es ist nicht ganz leicht, die Faszination zu beschreiben, die von Knausgårds Romanzyklus Min Kamp ausgeht. Warum sollte man ein vielbändiges autobiographisches Projekt eines bis dato unbekannten Schriftstellers lesen, das keine Trivialität des Alltags auslässt? Ganz einfach: Weil Knausgård auf faszinierende Weise Banalität und künstlerische Reflexion miteinander verbindet, weil er seinem Vater in Sterben tatsächlich nahe kommt, ohne ihm die Unnahbarkeit zu nehmen, und weil er all dies mit einer Beobachtungsgabe tut, die umwerfend ist.

Pierce Brown: Red Rising

Red Rising, die vielgelobte Science-Fiction-Trilogie des Debütanten Pierce Brown, hat mich trotz einiger erzählerischer Schwächen für mehr als einen Monat komplett absorbiert. Die Geschichte um Darrow von Lykos, der eine vom Mars ausgehende Revolution gegen die tyrannische Herrschaft der Goldenen anführt, ist klug, neben allen Gewaltexzessen voller poetischer Schönheit und darüber hinaus erschreckend aktuell. Nebenbei erzählt sie von einer grenzüberschreitenden Liebe, die trotz aller Wehmut niemals in den Kitsch abdriftet. Natürlich sind alle Bände unbedingt lesenswert.

Günter Grass: örtlich betäubt

örtlich betäubt sei jedem Leser empfohlen, der wissen möchte, was Günter Grass abseits seiner ‚Danziger Trilogie‘ zu Papier gebracht hat. Von der zeitgenössischen Kritik wurde der kurze Text aufgrund des Veröffentlichungsdatums im Vorfeld des Wahlkampfs für Willy Brandt eher reserviert aufgenommen. Die überbordende und unverbrauchte Metaphorik überzeugt jedoch auch hier. Trotz bisweilen zu artifizieller Komposition ist örtlich betäubt gerade mit etwas zeitlichem Abstand eine klare Empfehlung.

Richard Laymon: In den finsteren Wäldern

Würde Cannibal Corpse Bücher schreiben, anstatt Platten aufzunehmen, käme sicherlich etwas wie In den finsteren Wäldern dabei heraus. Richard Laymon schreibt gewalttätigen, pornographischen und irgendwie auch niveaulosen Schund. Niveaulosen Schund mit großem Unterhaltungspotential allerdings, der erkennen lässt, dass der Autor wusste, was er tat. Wer demnach keine Angst vor Blut, Sperma und unglaubwürdigen Figuren hat, sollte unbedingt mal probelesen. Aber sagt nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt.

Marcel Proust: Unterwegs zu Swann

Über Marcel Prousts Romanzyklus Auf der Suche nach der verlorenen Zeit ist viel geschrieben und gesagt worden. Dennoch bleibt er sowohl sprachlich als auch inhaltlich unerschöpflich und dürfte in seiner Liebe zum Detail einzigartig sein. Dass die Bücher zu denjenigen gehören, die jeder kennt und kaum einer gelesen hat, ist sehr schade. Daher sollten sich Literaturinteressierte von falscher Ehrfurcht freimachen und mit Unterwegs zu Swann beginnen. Man könnte Zeit kaum sinnvoller verlieren.

Was sind Eure Bücher des Jahres 2016? Ich bin gespannt auf Eure Meinungen und wünsche Euch allen einen guten Rutsch.