Karl Ove Knausgård: Sterben

Der Feldhüter hat im Februar ein wenig Zeit gebraucht, dafür geht es jetzt mit dem März-Artikel zum Jahr des Taschenbuchs umso schneller weiter. Mein Taschenbuch des Monats ist Sterben von Karl Ove Knausgård, der erste Teil eines autobiographischen Romanzyklus von insgesamt sechs Bänden. Es gibt in der Hauptsache drei Gründe für dessen Wahl.

Allgegenwart und geistiges Versprechen

Der erste lässt sich als Summe aus persönlichen Empfehlungen und geschicktem Marketing beschreiben. Es spielt derzeit keine Rolle, welches literarische Organ man zurate zieht, Knausgård springt einen von überall her an. Sicherlich gilt das für eine Menge an ökonomisch vielversprechenden Autoren, im Gegensatz zur schrillen Bewerbung literarischer Nullnummern wie Mieses Karma jedoch gelingt hier der Spagat zwischen ubiquitärer Präsenz und geistigem Versprechen.

Regionales und Stilistisches

Was mich darüber hinaus an der Auseinandersetzung mit Knausgård reizt, ist meine Unkenntnis der norwegischen Literaturszene. Da es jedoch eine Reihe an skandinavischen Autoren gibt, die ich sehr schätze, bin ich neugierig geworden. Über den Inhalt kann ich noch nicht viel sagen, aber der klare und unprätentiöse Stil macht bereits nach wenigen Seiten Lust auf mehr und deckt sich durchaus mit dem Marketingversprechen.

Von der Attraktivität der Hybris

Letztlich ist es aber auch der Größenwahn dieses autobiographischen Romanprojekts, der in dessen Attraktivität einzahlt: Ein Autor, der beschließt, über sechs Bände und tausende von Seiten mehr oder weniger chiffriert über sich selbst zu schreiben, hat entweder eine übersteigerte Hybris oder aber wirklich etwas zu sagen; im Idealfall beides. Dass man einen solchen Zyklus mit dem ersten Band beginnt, versteht sich von selbst. Ich jedenfalls erwarte Großes; trotz der Irritation über den übergeordneten Titel Min kamp, der verständlicherweise nicht in die deutsche Übersetzung eingeflossen ist.

Hat jemand von Euch das Buch bereits gelesen? Ich freue mich über Meinungen und Kommentare.

Wer mehr über die Aktion hinter dem Hashtag #jdtb16 erfahren möchte, findet bei Kielfeder und Die Liebe zu den Büchern alle Informationen. Meine Übersichtsseite zum Jahr des Taschenbuchs versammelt Links zu den thematisch relevanten Artikeln auf wilkosteffens.de.