Die ersten fünf Bände aus Stephen Kings Zyklus 'Der Dunkle Turm'

Noch nicht ganz ein dunkler Turm: Die ersten fünf Bände aus Stephen Kings Zyklus vom ‚Dunklen Turm‘ in getürmter Formation.

Stephen King fasst sich nicht gerne kurz. Da ist es nur konsequent, dass sich sein Hauptwerk, der Zyklus vom ‚Dunklen Turm‘, inzwischen über acht Bände mit insgesamt mehreren tausend Seiten erstreckt. Deren fünfter, Wolfsmond, ist mein Taschenbuch des Monats Juli im Jahr des Taschenbuchs 2016. Warum mir gerade der Kauf besondere Freude gemacht hat, erfahrt Ihr im Folgenden.

Elite und Literatur

Unweit meiner Arbeitsstelle befindet sich eine äußerst gut sortierte Buchhandlung, deren Auslage unmissverständlich deutlich macht, welches Zielpublikum angesprochen werden soll: Der auf dem literarischen Höhenkamm navigierende Kenner, der für die gängigen Bestsellerlisten bestenfalls ein verächtliches Schnauben übrig hat. Bisweilen lässt auch das Personal Züge einer solchen Einstellung erkennen. Ich erinnere mich noch gut an einen meiner ersten Besuche vor einigen Jahren, bei dem ich mit einem abschätzigen Blick begrüßt wurde, der gleichermaßen sprechend war. Er fragte: „Kannst Du überhaupt lesen?“

Nichtsdestotrotz bekenne ich freimütig, dort regelmäßig einzukaufen, da das Sortiment wirklich exquisit ist, da die vorrätigen Titel von Zweitausendeins immer wieder Schnäppchen versprechen und da ich ein grundsätzlicher Verfechter der Unterstützung kleinerer Buchhändler bin.

Elite und Literatur und Stephen King

Die Reihe vom ‚Dunklen Turm‘ habe ich vor inzwischen einigen Jahren begonnen, ohne sie bislang zu Ende bringen zu können. Da Anfang Juli mein Urlaub vor der Tür stand, bot es sich an, mit Wolfsmond wieder einzusteigen.

Ich bestellte das Buch also in besagtem Geschäft; auch in der Hoffnung, mit meiner Vorliebe für einen vermeintlichen Repräsentant der ‚Trivialliteratur‘ ein wenig anzuecken. Dass meine Bestellung nicht für Stirnrunzeln sorgte, hatte sicherlich zum einen damit zu tun, dass der Buchhandel abseits der großen Ketten überleben muss und nicht immer wählerisch sein darf, was seine Kundenvorlieben angeht. Zum anderen ist Stephen King aber inzwischen auch in Spezialistenkreisen anerkannt und erfreut sich selbst im akademischen Tagesgeschäft steigender Beliebtheit.  Das zeigt die poröse Natur der Grenze zwischen E- und U-Literatur, es zeigt aber auch einen bei einem lebenden Autor selten zu beobachtenden Registerwechsel: Vom Elternschreck hinein ins Ka-Tet der literaturwissenschaftlichen Beschäftigung.

Ich muss mir demnach einen anderen Autor suchen, um das Klientel meiner Buchhandlung zu schockieren. Vielleicht bestelle ich beim nächsten Mal etwas von Richard Laymon.