J.R.R. Tolkien: Der kleine Hobbit

J.R.R. Tolkien: Der kleine Hobbit

In einer Höhle in der Erde, da lebte ein Hobbit. (7)

Es gibt sie, diese perfekten ersten Sätze, die kein Wort zuviel besitzen, keines zuwenig, die so und nicht anders hätten formuliert werden können, als wären sie immer schon da gewesen, unveränderlich und immun gegen Zeit und Zerfall. Der kleine Hobbit beginnt mit einem solchen ersten Satz und obgleich man dem Buch sowohl dramaturgisch als auch kompositorisch einiges vorwerfen kann, hat es nach diesen zehn Worten bereits gewonnen.

Die Geschichte des kleinen Hobbits

In seinem Vorläufer zum Herrn der Ringe erzählt J.R.R. Tolkien die Geschichte des Hobbits Bilbo Beutlin, der zunächst unfreiwilliger Helfer einer vom Zauberer Gandalf erdachten Unternehmung wird. Diese hat zum Ziel, den Drachen Smaug vom Einsamen Berg zu vertreiben, wo er auf einem erbeuteten Zwergenschatz sitzt. Um die Reichtümer zurückzuerobern, schließt sich Bilbo als 14. Mitglied einer vom Thronerben Thorin angeführten Zwergentruppe an. Auf seinem Abenteuer begegnet er Elben, Riesenspinnen, Trollen, Orks und anderen Bewohnern Mittelerdes, bevor er sich schließlich Smaug Auge in Auge gegenübersieht.

Tolkien und die Dramaturgie

Ich gebe es zu: Der Herr der Ringe hat mir überhaupt nicht gefallen. Zwar war und ist der Einfallsreichtum Tolkiens einzigartig und die Welt Mittelerdes so lebendig wie kaum ein anderes Fantasyuniversum. Dafür verliert sich der holprig erzählte Plot in ständigen Umwegen, bevor dann unversehens Höhepunkt auf Höhepunkt folgt, während die Dramaturgie auf der Strecke bleibt. Da hat Peter Jacksons Team mit dem adaptierten Drehbuch wirklich eine Meisterleistung vollbracht.

Den Kleinen Hobbit habe ich überhaupt nur deshalb zur Hand genommen, weil mir die Geschichte wesentlich überschaubarer schien und ich mich nach wie vor der Faszination Mittelerdes nicht entziehen kann. Doch auch diese verhältnismäßig kleine Form bekommt Tolkien dramaturgisch nicht komplett in den Griff: Während die Handlung zunächst ein klar definiertes Ziel hat – den Sieg über den Drachen Smaug – bildet letztlich ein anderes Ereignis den Höhepunkt des Romans: Die Schlacht der fünf Heere. Diese wiederum wird ebenso kurz wie seltsam unmotiviert abgehandelt. Dramaturgie ist nicht Tolkiens Stärke.

Monstren, Mythen und ein wahrer Held

Und dennoch ist Der kleine Hobbit ein außerordentlich lesenswertes Buch. Dies liegt vor allem am Protagonisten Bilbo Beutlin, der als Held wider Willen immer wieder über sich hinaus- und dem Leser ans Herz wächst. Die verschiedenen Schauplätze des Romans sind wundervoll fantasiereich ausgesponnen und auch wenn die eine oder andere Passage eher umständlich erzählt ist, folgt man Bilbo gerne bis zum Ende seiner Reise.

Auch der Drache Smaug sowie die anderen Gestalten, die die erzählte Welt bevölkern, machen den Roman zu einem erinnerungswerten Stück Literatur. Gollum hat ebenfalls seinen ersten Auftritt im Kleinen Hobbit und verhilft Bilbo zufällig und unfreiwillig zum mittlerweile kanonisch gewordenen Ring.

Wer also mit den angesprochenen Schwächen leben kann und einen Einstieg in die Welt Mittelerdes sucht, ist mit dem Roman bestens bedient. Ganz abgesehen davon passt er natürlich wunderbar in die Weihnachtszeit. In diesem Sinne allen Leserinnen und Lesern frohe Weihnachten.

Der kleine Hobbit
Die Geschichte des Hobbits Bilbo Beutlin und wie er den Drachen Smaug besiegt.
ISBN: 3-7903-0133-7
Available in: Paperback