Von technischen Pannen im Sonderzahl Verlag, dem braunen Erbe Martin Heideggers und der Auflösung einer Elefantenhochzeit: Alles literarisch Relevante der 7. und 8. Kalenderwoche lesen Sie im folgenden Artikel.

Dieter Bandhauer vom Sonderzahl Verlag

Dieter Bandhauer (Quelle: sueddeutsche.de)

Rundmail von Dieter Bandhauer löst Welle der Empörung aus

Das Motiv Dieter Bandhauers, des Chefs des Sonderzahl Verlags, klingt denkbar harmlos: Per Rundmail wollte er erfahren, ob die Empfänger seine Programmvorschau in Zukunft in gedruckter oder digitaler Form erhalten möchten. Durch einen Fehler im System ging jede einzelne Antwort an alle Adressaten. Das Problem: Die Angeschriebenen waren allesamt Journalisten, von Berufs wegen nicht die schweigsamsten Exemplare der menschlichen Spezies. Ein Shitstorm sondergleichen war die Folge, Bandhauer wurde teilweise übel beschimpft. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung nimmt er Stellung zu den Reaktionen, inzwischen sei soweit alles wieder im Lot.

Verwunderlich ist die Angelegenheit weniger aufgrund des unzweifelhaft dubiosen technischen Fehlers (wie sollte so etwas denn möglich sein?) als vielmehr aufgrund der mehr als eigenartigen Reaktionen. Sicher: Die Mail-Postfächer der Betroffenen wurden eine (sehr kurze) Zeit lang überschwemmt, im schlimmsten Falle jedoch konnten die übrigen Adressaten lediglich erfahren, wer die Neuheiten denn nun gedruckt oder digital lesen möchte. Im Vergleich zum öffentlichen Ausstellen der privaten Vorlieben in den gängigen Social Media-Kanälen ist das doch wohl eher harmlos…

Heideggers Schwarze Hefte erschienen

Martin Heidegger

Martin Heidegger (Quelle: phillwebb.net)

Bereits seit Monaten spekulieren die Feuilletons und Philosophen über die Bedeutung der Schwarzen Hefte Martin Heideggers. Heidegger war – untypisch für einen weit über seine Zeit hinaus bedeutsamen Philosophen – Mitglied der NSDAP und in dieser Funktion Rektor der Universität Freiburg. In den Schwarzen Heften nun, so schreibt selbst sein Herausgeber Peter Trawny, bekämen die Anekdoten von Heideggers vermeintlich unverhohlenem Antisemitismus einen durchaus problematischen Nährboden. In seinem Artikel für die ‚Zeit‘ unterscheidet Trawny zwischen einem privaten Antisemitismus Heideggers, der seit langem bekannt sei, und einem für die Geschichte der Philosophie – v.a. seiner Philosophie – sehr viel bedeutsameren Antisemitismus als Bestandteil seiner Phänomenologie. Auch wenn der Literaturwissenschaftler Silvio Vietta behauptet, sein eigenes erst vor kurzen wiederaufgetauchtes und bislang als vermisst geltendes Schwarzes Heft würde

kein einziges antisemitisches Wort

enthalten, muss die Heidegger-Forschung zumindest neu perspektiviert werden. Liest man Jürgen Kaubes Besprechung des ersten Bandes der Schwarzen Hefte, dürfte Viettas Behauptung zumindest nicht auf alle Teile des Werkes zutreffen.

Weltbild und Hugendubel gehen getrennte Wege

Der Weltbild Verlag ist insolvent, wie bereits vor einigen Wochen berichtet. Nun trennt sich die Buchhandelskette Hugendubel von der Verlagsgruppe der katholischen Kirche. Die 77 Filialen werden fortan unter dem Dach der Finanzholding DBH von Hugendubel selbst weitergeführt, was die Rettung von 2.000 der 3.000 gefährdeten Arbeitsplätze bedeutet.