Auch in der 6. Kalenderwoche wurde in der Bücherwelt wieder heiß diskutiert, wobei neben den Nominierungen für den Preis der Leipziger Buchmesse vor allen Dingen die derzeit heiß diskutierte Frage nach der Beurteilung des E-Books als neues und immer mächtigeres Medium im Zentrum des Interesses stand.

E-Books: Fluch oder Segen?

Zu Beginn der Woche ist Friedrich Forssman in einem vieldiskutierten Beitrag für den Suhrkamp-Blog gegen das E-Book zu Felde gezogen. Sein vernichtendes Urteil:

  • E-Books seien lediglich so lange verfügbar, wie der Rechteinhaber es für sinnvoll halte. Man könne sich daher trotz Kaufvertrags nie gewiss sein, dass ein Zugriff auf die Dateien auch in ein paar Jahren noch möglich sei.
  • E-Books könnten nicht verliehen werden.
  • E-Books seien datenschutzrechtlich problematisch, da von höherer Stelle mitgeschnitten werden könne, wer wann an welcher Stelle die Lektüre abgebrochen habe. Dies würde allerhand ökonomisch kalkulierten Eingriffen in den Text Vorschub leisten.
  • E-Books sorgten für einen gläsernen Leser, der umso gezielter mit Werbung attackiert werden könne.

Es verwundert natürlich nicht, dass dieser Beitrag eine Reihe von Antworten nach sich gezogen hat, manche zustimmend (siehe den Kommentarteil auf logbuch-suhrkamp.de), manche kritisierend. Sicher ist allerdings, dass die oben versammelten Punkte aus Forssmans Argumentation nicht das Medium an sich treffen, sondern das dahinterliegende Geschäftsmodell mitsamt seiner reichlich unübersichtlichen Rechtslage. Ein wenig Angst kann es einem schon machen, wenn sich der Gestalter der großartigen Bargfelder Ausgabe der Werke Arno Schmidts als derart rückwärtsgewandt und fortschrittsfeindlich inszeniert. Sicher: E-Books haben immens viele Nachteile gegenüber gedruckten Werken. Der jüngste Trick des Teufels jedoch sind sie auch nicht. Ich persönlich hätte mir einen wesentlich differenzierteren Umgang mit der Materie erhofft, wie ihn beispielsweise Zoë Beck in ihrer Replik pflegt. Das wäre allerdings sicherlich auf Kosten der viralen Verbreitung gegangen. Ein Schelm, wer im Arno-Schmidt-Jahr Böses dabei denkt…

Nominierungen für den Preis der Leipziger Buchmesse veröffentlicht

Zwei der in diesem Jahr für den Preis der Leipziger Buchmesse Nominierten sind in der literarischen Welt bislang eher Unbekannte. Sie stehen im Wettbewerb mit drei bereits etablierten Autoren.
Fabian Hischmann, geboren 1983 und wohnhaft in Berlin, tritt an mit seinem Roman Am Ende schmeißen wir mit Gold. Das Buch erzählt die Geschichte eines Lehrers, dessen gleichförmiges Leben durch einen unerwarteten Telefonanruf gehörig aus der Bahn geworfen wird.
Demgegenüber erzählt Per Leos Werk Flut und Boden von einem Historiker, der sich obsessiv dem Leben seines Großvaters Friedrich widmet, einem Nazi in den Diensten der SS.
Martin Mosebach gibt seinen Lesern Einblicke in ein großes Fest des Frankfurter Geschäftsmanns Rotzoff, der sich durch dieses gesellschaftliche Engagement eine Tilgung seiner Schulden erhofft. Allen auftretenden Figuren ist die Putzfrau Ivana aus Bosnien gemeinsam. Über sie ist Das Blutbuchenfest  auch eine Auseinandersetzung mit dem Krieg auf dem Balkan.
Katja Petrowskaja begleitet in ihrem Roman Vielleicht Esther die gleichnamige Hauptfigur auf die komplizierte Suche nach den Spuren einer jüdischen Familie.
Saša Stanišić schließlich befasst sich in seinem Text Vor dem Fest mit der Geschichte eines Dorfes in der Uckermark, in dem plötzlich nichts mehr so ist wie es war.
Eine komplette Liste der Nominierten aller Kategorien gibt es auf der Seite der Leipziger Buchmesse, die vom 13. bis zum 16. März in der Leipziger Messe stattfindet. Die Preisverleihung ist auf den ersten Tag terminiert, dem Sieger winken 15.000 Euro.