Auch in der dritten Kalenderwoche des noch immer jungen Jahres ist einiges geschehen in der Welt der Literatur. Ob es nun die Erfindung eines vermeintlichen Bestseller-Algorithmus ist oder aber der 100. Geburtstag Arno Schmidts: Der folgende Artikel gibt einen Überblick über die wichtigsten Lüftchen und Winde im Blätterwald.

Arno Schmidt feiert 100. Geburtstag

Arno Schmidt am Schreibtisch vor seinem Zettelkasten

Arno Schmidt am Schreibtisch vor seinem Zettelkasten (Quelle: kassel-mulang.de)

Arno Otto Schmidt wurde am 18. Januar 1914 in Hamburg geboren und wäre daher am vergangenen Samstag 100 Jahre alt geworden. In Erinnerung geblieben ist der literarische Avantgardist, der stets an den Grenzen der Orthographie operierte, vor allem durch seinen Wälzer Zettel’s Traum, über den es sich bis heute v.a. aufgrund der ETYM-Theorie trefflich diskutieren lässt. Darüber hinaus wird leicht vergessen, dass er ebenfalls Schöpfer solch wirkmächtiger Texte wie Aus dem Leben eines Fauns, Seelandschaft mit Pocahontas oder KAFF auch Mare Crisium ist. Letztgenanntem Roman ist eine ganze Website gewidmet. Sieht man sich Schmidts außergewöhnliches literarisches Erbe an, ist es fast schade, dass er in der Gegenwart mehrheitlich auf Zettel’s Traum reduziert wird. Vielleicht ist das Schmidt-Jahr 2014 daher ein guter Anlass, sein Werk erneut ganzheitlich zu erschließen.

Bestseller-Algorithmus entdeckt?

Wie ich bereits vor einigen Tagen schrieb, haben Forscher der Stony Brook University an einem Algorithmus gebastelt, der erkennen soll, ob es sich bei einem beliebigen Werk um einen Bestseller handelt oder nicht. Ökonomisch mag eine solche Arbeit interessant sein, literarisch ist sie allerdings so belanglos wie Charlotte Roche. Wer allen Ernstes behauptet, ästhetischer Wert sei restlos auf mathematische Formeln zurückzuführen, hat offenbar noch nie ein Buch gelesen. Allerdings muss man bei aller kritischen Berichterstattung im Netz anmerken, dass es sich um eine computerlinguistische Versuchsanordnung handelt, die vor allem an der Erkenntnis syntaktischer Muster interessiert ist. Das wiederum kann durchaus spannend für die Wissenschaft  sein.

Michael Krüger im Schloss Bellevue geehrt

Michael Krüger

Michael Krüger (Quelle: hjg-sim.de)

Der langjährige Geschäftsführer des Hanser Verlags, Michael Krüger, ist mit einem festlichen Akt im Schloss Bellevue in den Ruhestand verabschiedet worden. Krüger, der selbst als Schriftsteller tätig ist und seit dem Juli 2013 als Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste vorsteht, wurde mit dem Jahreswechsel 2013/2014 von Jo Lendle abgelöst, der sich von nun an um die Belange des Verlags kümmern wird. Für alle Teilnehmer überraschend war die Auszeichnung Krügers mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse, die Bundespräsident Joachim Gauck auch vor dem Geehrten selbst geheimgehalten hatte.