Die afrikanische Literaturnobelpreisträgerin Nadine Gordimer ist tot und der ‚Hawking-Index‘ fördert Erstaunliches zum digitalen Leseverhalten zutage. Dies und mehr ist Thema im literarischen Wochenrückblick.

Nadine Gordimer gestorben

Nadine Gordimer

Nadine Gordimer (Quelle: achievement.org)

Die Literaturnobelpreisträgerin Nadine Gordimer ist im Alter von 90 Jahren in Johannesburg gestorben. Sie war eine der prominentesten südafrikanischen Schriftstellerinnen und setzte sich sowohl in ihren Romanen als auch im privaten Leben mit der Apartheid auseinander.

Zwischen den Stühlen

Aufgrund dieses lebenslangen Themas geriet sie gewissermaßen zwischen alle Stühle: Während sie mit ihrem Widerstand gegen die Apartheid von den ansässigen Weißen misstrauisch beobachtet wurde, trennte sie ihre eigene weiße Hautfarbe von der schwarzen Widerstandsbewegung. Diese doppelte Ausgrenzung, der Widerspruch zwischen ihrem hohen Ansehen im Ausland und dem Misstrauen ihr gegenüber in der Heimat, wurde charakteristisch für ihr ganzes Leben.

Nadine Gordimer hinterlässt ein Werk von 15 Romanen und zahlreichen Erzählungen. Wer sich näher mit ihrer Biographie und ihrem Werk auseinandersetzen möchte, findet unter folgenden Links weitere Infos:

Hawking-Index lässt Rückschlüsse auf Lesegewohnheiten bei E-Books zu

Stephen Hawking

Was wohl Stephen Hawking zum nach ihm benannten Index sagt?

Der amerikanische Mathematiker Jordan Ellenberg hat sich Amazons umstrittene Speicherung und Weiterverwertung aller Markierungen in E-Books zunutze gemacht, um zu überprüfen, wie viele Bücher eigentlich zu Ende gelesen werden. Der so genannte ‚Hawking-Index‘, benannt nach Stephen Hawkings Bestseller Eine kurze Geschichte der Zeit, dessen ökonomischer Erfolg vermeintlich im Widerspruch stehe zu der Anzahl abgeschlossener Lektüren, basiert auf der Hypothese, dass Markierungen über das ganze Buch verstreut sein müssten, wolle man von einem Lesevergnügen von Anfang bis Ende ausgehen.

Das ist sicherlich keine wissenschaftlich haltbare Methode und von daher mit einem kleinen Augenzwinkern zu verstehen, es lässt gleichwohl einen beunruhigenden Blick zu auf das, was durch Datenspeicherung in diesem Maße machbar ist. Da hat man doch fast wieder Friedrich Forssmans Polemik gegen das E-Book im Ohr. Derzeit meistgelesen ist übrigens der aktuelle Roman der amerikanischen Autorin Donna Tart. Wer sich für den ‚Hawking-Index‘ der Sommerbestseller interessiert, sei auf den entsprechenden Artikel im ‚Wall Street Journal‘ verwiesen. Hawkings angesprochenes Werk wird dem Index zufolge übrigens von 6,6 Prozent der Käufer von vorne bis hinten gelesen.

João Ubaldo Ribeiro ist tot

Noch eine Todesnachricht aus der literarischen Welt erreichte die Öffentlichkeit am vergangenen Freitag: Der brasilianische Autor João Ubaldo Ribeiro ist mit 73 Jahren verstorben. Ribeiro hatte eine enge Bindung zu Deutschland, ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) ermöglichte ihm 1990, direkt im Anschluss an die Wende, einen Berlinaufenthalt. Seine Erlebnisse verarbeitete er in Ein Brasilianer in Berlin.

1994 wurde ihm der Anna-Seghers-Preis verliehen, zum ersten und letzten Mal vergeben durch die Akademie der Künste in Berlin. Gestorben ist er in Rio de Janeiro, wo er nach seiner Zeit in den USA lebte.