Neues Jahr, neues Glück: Nachdem die literarischen Wochenrückblicke in letzten paar Monaten umzugsbedingt nur sporadisch erstellt werden konnten, soll sich das nun ändern. Daher folgt mit diesem Beitrag der erste Rückblick für das Jahr 2014.

Google Doodles für Simone de Beauvoir und Annette von Droste-Hülshoff

Seit 1998 ist es beim Suchmaschinenriesen Google üblich, dass das allseits bekannte Logo zu besonderen Anlässen verändert wird. Bei einem Klick auf ein so genanntes Google Doodle (dt. etwa ‚Google Kritzelei‘, aber – Arno Schmidt hätte seine helle Freude gehabt – auch ‚Google Penis’…) erscheint überdies die Ergebnisliste zur Suchanfrage des jeweiligen Themas.

Google Doodle zu Simone de Beauvoirs 106. Geburtstag

Google Doodle zu Simone de Beauvoirs 106. Geburtstag

In der vergangenen Woche sind gleich zwei Schriftstellerinnen mit einem Google Doodle geehrt worden. Nummer eins war Simone de Beauvoir, die heutzutage dank ihres weltberühmten Textes Das andere Geschlecht in keiner Anthologie gendertheoretischer Erörterungen fehlen darf. Aus diesem Essay stammt das mittlerweile kanonisch gewordene Zitat:

On ne naît pas femme, on le devient.

 

Die Freundin Jean-Paul Sartres wurde anlässlich ihres 106. Geburtstags am 9. Januar 2014 in einem Google Doodle verewigt, das ihr Konterfei vor einem typischen Pariser Straßenzug zeigt.

Google Doodle anlässlich des 217. Geburtstags von Annette von Droste-Hülshoff

Google Doodle anlässlich des 217. Geburtstags von Annette von Droste-Hülshoff (Quelle: giga.de)

Nummer zwei im Bunde ist Annette von Droste-Hülshoff, die bis zur Euro-Einführung die Vorderseite des 20-DM-Scheins zierte. Ihre Novelle Die Judenbuche, die von einem mysteriösen Mord in einem nicht näher bezeichneten Dorf B. handelt, war lange Jahre Standardlektüre an allen Gymnasien. Neben ihrer schriftstellerischen Arbeit war Droste-Hülshoff auch als Musikerin und Komponistin aktiv und stand in regelmäßigem Kontakt zu Clara und Robert Schumann. Der ‚Annette von Droste-Hülshoff-Preis‘, der alle zwei Jahre vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe vergeben wird, ist nach ihr benannt. Am 10. Januar 2014 wäre ihr 217. Geburtstag gewesen.

Korrespondenz August Wilhelm Ifflands aufgetaucht

August Wilhelm Iffland

August Wilhelm Iffland (Quelle: kalies.de)

Wenn ich den Namen Iffland höre, muss ich sofort an Friedrich Schiller denken. August Wilhelm Iffland (1759 bis 1814) war einer der bekanntesten Schauspieler seiner Zeit und verkörperte u.a. Franz Moor in der Uraufführung der Räuber am 13. Januar 1782 im Mannheimer Theater. Nun ist das seit Urzeiten verschollene Korrespondenzarchiv des Theatermachers aufgetaucht und sollte eigentlich auf der Antiquariatsmesse ‚Antiquaria‘ (Ludwigsburg vom 23. bis 25. Januar 2014) durch das Wiener Antiquariat ‚Inlibris‘ veräußert werden: 450.000 Euro sollte der Nachlass, in dem sich auch Briefe Goethes befinden, einbringen.

Allerdings kommt nun wohl alles anders als geplant, denn es ist nach derzeitigem Wissensstand nicht einwandfrei festzustellen, wem die Dokumente rechtmäßig gehören. In der Nachkriegszeit ging ein Großteil der Korrespondenz verloren, bis sie schließlich vom Theaterwissenschaftler Hugo Fetting, der sie angeblich 1953 auf einer Müllhalde in Berlin gefunden haben will, an das besagte Antiquariat ‚Inlibris‘ verkauft wurden. Während die Berliner Akademie der Künste das Eigentumsrecht des Antiquariats anerkennt, vertritt die Berliner Senatsverwaltung eine andere Meinung. Sie hat bereits Strafanzeige gegen unbekannt und gegen Fetting gestellt. Das sieht nach einem langen Rechtsstreit aus, der – das wünscht man sowohl den Lesern als auch dem Nachlass Ifflands – hoffentlich einen positiven Ausgang nehmen wird.

Verlagsgruppe Weltbild meldet Insolvenz an

Die Verlagsgruppe Weltbild, die zu hundert Prozent der katholischen Kirche gehört, hat in der vergangenen Woche Insolvenz angemeldet. Wirklich überraschend kommt diese Meldung nicht, ist das einst riesige Unternehmen doch in den letzten paar Jahren arg ins Schlingern geraten. Dies lag nicht zuletzt am verspäteten Einstieg in den Online-Handel, der sich auch auf die Uneinigkeit der Gesellschafter zurückführen lässt. Was mit den rund 6.800 Beschäftigten geschehen soll, ist noch unklar. Wie die Süddeutsche berichtet, plant der Münchener Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, weitreichende Hilfen für die Mitarbeiter. So soll auch dem Vorwurf entgegengewirkt werden, die katholische Kirche hätte die Insolvenz fahrlässig herbeigeführt.