Amazon wird Verleger oder: Das Zeitalter der berechneten Literatur

Bereits vor anderthalb Wochen gab der Versandriese Amazon bekannt, nun auch ins Verlagsgeschäft einsteigen zu wollen. Zwölf Autoren seien bislang unter Vertrag, erste Publikationen seien für das zweite Quartal 2014 geplant. Die Resonanz dazu auf der Leipziger Buchmesse, die einen Tag später startete: Gleich null. Dort ist der Buchhändler überhaupt nicht mit eigenem Stand vertreten, ernst genommen wird er offenbar noch nicht.

Abgesehen davon, dass sich die althergebrachten Verlagshäuser noch umschauen werden, was ihre monetäre Konkurrenzfähigkeit angehen wird, kann es für die literarische Welt kaum eine schlimmere Nachricht geben und das aus folgenden Gründen:

  • Das Niveau: Amazon geht es – wie anderen Verlagen auch – um den Verkauf. Der dahinter stehende Algorithmus dürfte jedoch sehr viel differenziertere Analysen des Erfolgs oder Misserfolgs eines Werkes zulassen; gerade im Bereich der E-Books! Es bedarf keiner besonderen Geistesanstrengung, um zu mutmaßen, dass dies auf Kosten des Textes gehen wird. Komplexe Literatur wird im hauseigenen Verlag auf absehbare Zeit sicherlich keinen Platz mehr haben oder lediglich verschlimmbessert auf den Markt geschmissen werden.
  • Kulturauftrag: Für die meisten Verlage wären die Informationen eines derart komplexen Algorithmus äußerst wertvoll. Doch Amazon hat keinen kulturellen Auftrag: Kunst wird dort im ökonomischen Koordinatensystem zerrieben.
  • Der Autor: Amazon wird all das publizieren, was sich irgendwie verkauft und ködert bislang erfolglose Schreiberlinge mit dem ‚White Gloves Programm‘. Dieses gibt jedoch den dahinterstehenden Agenten sehr viel Macht. Dass selbst Jeff Bezos Frau ihren Roman Traps nicht über Amazon publiziert, spricht Bände.

Leipziger Buchmesse mit ordentlichem Besucherzuwachs

Am 15. März ist die Leipziger Buchmesse zu Ende gegangen und konnte, wie das Börsenblatt berichtet, einen Besucherzuwachs von rund vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr verbuchen. Insgesamt 175.000 Literaturbegeisterte fanden sich auf dem Messegelände ein, um der Veranstaltung zu einem neuen Besucherrekord zu verhelfen.

Den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse erhielt der bosnische Schriftsteller Saša Stanišić für seinen Roman Vor dem Fest.