Stein zur Erinnerung an Mahjub Husen

Stein zur Erinnerung an Mahjub Husen (Quelle: OTFW)

Der afrikanische Junge Mahjub Husen kämpft 1914 als Askari (Söldner) im deutschen Heer in Afrika, zieht weiter nach Berlin, wo er sich zunächst als Kellner verdingt, im Anschluss auf Völkerschauen arbeitet und schließlich in zahlreichen Spielfilmen, u.a. an der Seite von Hans Albers, auftritt. 1944 stirbt er im Konzentrationslager Sachsenhausen unter der Schreckensherrschaft der Nazis. Seine Mitgefangenen halten ihn für einen äthiopischen Prinzen.

 

 

Lebenskunst als Waffe gegen Tod und Terror

Soweit die Geschichte, ursprünglich erzählt in Treu bis in den Tod. Von Deutsch-Ostafrika nach Sachsenhausen. Eine Lebensgeschichte. Mit Lebenskunst und dem Mut zur strategischen Verstellung versucht Husen, den Schergen des NS-Terrors und den postkolonialistischen Vorurteilen ein Schnippchen zu schlagen und erweist sich so als Münchhausen der besonderen Art.

Vom Sachbuch zum Roman: Askari

Diese außergewöhnliche Biographie ist Ingo Mocek Anlass zu einem neuen Roman namens Askari, einem vielversprechenden Projekt, das per Crowdfunding finanziert werden soll.

Interessant ist es aber nicht nur aufgrund seines Sujets, das die kolonialistische Vergangenheit Deutschlands mit dem Dritten Reich verbindet. Interessant sind auch die Umstände seiner Genese, ist die Verschränkung von Autor- und Figurenbiographie. Mocek – diese sarkastische Anmerkung sei erlaubt – scheint hier nämlich ganz in seinem Element, ist ihm die Strategie der spitzbübischen Täuschung doch nicht unbekannt. 2010 beendete Gruner und Jahr die Zusammenarbeit mit ihm, da ihm mindestens fünf gefälschte Interviews für das Magazin NEON zur Last gelegt wurden. Die Affäre wurde begierig vom Postillon aufgenommen, der auch prompt ein Interview abdruckte, in dem sich ein vermeintlicher Mocek folgendermaßen äußerte:

Ich finde das [den Rauswurf bei NEON, W.S.] gerade bei einer auf Halbwahrheiten basierenden Quatschzeitung ein wenig zu hart.

Das Gespräch ist – so darf man annehmen – ebenso erfunden wie die thematisierten Interviews.

Kunst: Wahrheit oder Täuschung?

In Zeiten des ubiquitären Plagiats und der akademischen Täuschung ist Skepsis angebracht im Angesicht einer journalistischen Laufbahn wie derjenigen Moceks. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb darf man gespannt sein auf den Roman, dessen Entstehungsgeschichte seinem impliziten poetisch-biographischen Programm folgt. In der so entworfenen Konfiguration aus Selbst- und Fremdreferenz, Wahrheit und Täuschung liegt bisweilen großes künstlerisches Potential: Felix Krull lässt grüßen.

Natürlich steckt hinter dem poetologischen Sprengstoff des Projekts auch ein Quentchen des platonisch-aristotelischen Streits über den Status der Kunst. Er kann und soll an dieser Stelle nicht aufgerollt werden, er ist auch für den Inhalt  von Askari von eher geringer Relevanz. Denn das Buch hat mit der Bewahrung des Erbes Mahjub Husens ein wichtiges Anliegen und folgt einem Grundsatz, der auch dem historisch verbürgten Askari als Leitbild gedient haben mag: Manchmal ist die Wahrheit der Realität eben doch nur durch die Lüge zu bezwingen.

Nähere Infos zur Möglichkeit der Unterstützung und Förderung des Romans gibt es auf der Plattform wemakeit.ch.