Wilko Steffens

Mein Literaturblog: Alles rund ums Gedruckte

Sinnlos in den Wald rasen

Kazuo Ishiguro: Die Ungetrösteten

Sticht selbst aus Ishiguros beeindruckendem Werk hervor: „Die Ungetrösteten“.

War man bereits gut beraten, den Worten des Butlers Stevens nicht blind zu trauen, entwirft Kazuo Ishiguro in Die Ungetrösteten eine vollkommen aus den Fugen geratene Welt. Hier ist nun wirklich alles höchst unsicher, hier wird das Lächerliche zum Absoluten erhoben, hier gibt es keine Aktion, lediglich Reaktion.

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Warum müssen Sie sich nur immer so verstellen? Zu Ishiguros Roman „Was vom Tage übrig blieb“

Kazuo Ishiguro: Was vom Tage übrig blieb

Was vom Tage übrig blieb erzählt die Geschichte des betagten Butlers Stevens, der auf Darlington Hall lebt und arbeitet. Nach dem Tod seines langjährigen Herrn Lord Darlington unternimmt er eine mehrtägige Reise durch England. Ziel seiner Fahrt ist Cornwall, wo er seine ehemalige Kollegin Miss Kenton treffen möchte, um sie zu einer Rückkehr nach Darlington Hall zu ermuntern. Anders als geplant löst der Ausbruch aus der vertrauten Umwelt in Stevens eine Auseinandersetzung mit seiner eigenen Vergangenheit aus, die eklatante persönliche und politische Verfehlungen zutage fördert.

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Meine Bücher des Jahres 2017

Bücher des Jahres 2017

Meine Bücher des Jahres 2017

In literarischer Hinsicht war 2017 ein sehr gutes Jahr für mich. Ich habe Stephen Kings Saga vom Dunklen Turm abgeschlossen. Darüber hinaus bin ich recht gut vorangekommen mit meinem Vorhaben, endlich Auf der Suche nach der verlorenen Zeit komplett zu lesen. Nicht zuletzt hat mir Thomas Hofmanns Erlöste und Verdammte Martin Luther und die Reformation nähergebracht; daran war, ich gebe es zu, v.a. das 500. Reformationsjubiläum schuld.

Allerdings trage ich dieses Jahr zum ersten Mal überhaupt einen beträchtlichen Stapel ungelesener Bücher vor mir her und ich habe es nicht geschafft, auch nur einen Bruchteil meiner Lektüren auf diesem Blog zu besprechen. Das stresst mich bisweilen, weil es mir vor Augen führt, wie viele interessante Werke es gibt, die ich niemals werde lesen und kommentieren können. Ich bin daher auch immer wieder überrascht, dass es einigen Bloggern gelingt, sich durch alle Long- und Shortlists hindurchzuarbeiten. Das würde ich auch gerne, es wird aber ein vollkommen unrealistisches Begehren bleiben.

Hier sind meine fünf Bücher des Jahres 2017. Wie auch schon im Vorjahr, folgt die Aufzählung keiner Hierarchie und nicht alle Werke sind tatsächlich im auslaufenden Jahr erschienen:

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Die Entzauberung des Faubourg Saint-Germain: „Guermantes“ von Marcel Proust

Marcel Proust: Guermantes

Guermantes ist der dritte Teil des proustschen Romanzyklus Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Er führt Marcel tief hinein in die Welt des Pariser Hochadels und arbeitet sich wie schon Unterwegs zu Swann und Im Schatten junger Mädchenblüte an den vielfältigen Widersprüchen zwischen Phantasie und Realität ab. Philosophisch fügt er diesem Thema nicht viel Neues hinzu, auf sprachlich-kompositorischer, emotionaler und gesellschaftssatirischer Ebene entwickelt Guermantes jedoch eine unvergleichliche Wucht.

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Für Freunde blutiger Steaks: Cody McFadyens „Die Blutlinie“

Cody McFadyen: Die Blutlinie

Auf fünf Bücher hat es Cody McFadyens Reihe um FBI-Agentin Smoky Barrett inzwischen gebracht, das jüngste ist in diesem Jahr erschienen. Ein guter Zeitpunkt also, um sich dem ersten Band Die Blutlinie zu widmen.

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Martin Luther als Medienrevolutionär: Zu Kaufmanns „Erlöste und Verdammte“

Thomas Kaufmann: Erlöste und Verdammte. Eine Geschichte der Reformation

Bevor man sich Thomas Kaufmanns neuestem Reformationsbuch zuwendet, sollte man sich zweier Dinge bewusst sein: Erstens ist Erlöste und Verdammte keine Biographie Martin Luthers und zweitens richtet sich der Text an ein akademisches Publikum. Kann man sich damit arrangieren, ist Eine Geschichte der Reformation, so der Untertitel, eine lohnende Lektüre, die vor allem im letzten Drittel überzeugt.

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Licht und Schatten: Zu Ingo Schulzes „Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst.“

Ingo Schulze: Peter Holtz

Hier halten sich Licht und Schatten die Waage: „Peter Holtz“ von Ingo Schulze.

In Peter Holtz lässt Ingo Schulze einen modernen Simplicissimus aus seinem eigenen Leben erzählen, genauer: aus den Jahren zwischen 1974 und 1998. Aufgewachsen und indoktriniert in der DDR, vermag kein noch so augenfälliges Beispiel für die Korruption und Brüchigkeit  des Systems seinen Glauben an die sozialistische Revolution zu erschüttern.

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Indien als Lebens(t)raum: Das Ministerium des äussersten Glücks

Arundhati Roy: Das Ministerium des äussersten Glücks

In Das Ministerium des äussersten Glücks nimmt Arundhati Roy die Leser mit auf eine verstörende Reise nach Indien und Kaschmir. Zunächst begegnen wir Anjum, die früher Aftab hieß, sich als Transgender jedoch einer Kommune Hijras anschließt und schließlich auf einen Friedhof zieht, um dort ein Zentrum für all diejenigen zu eröffnen, die in der indischen Gesellschaft keinen Platz finden. Dann ist da S. Tilomatta, genannt Tilo, die an der Sternenwarte in Dheli ein mutterloses Baby mitnimmt. Umworben und unterstützt wird sie von ihren Studienfreunden, dem Regierungsmitarbeiter Biplab Dasgupta, dem Revolutionär Musa und dem Journalisten Naga. Sie alle verbindet die Suche nach einem Platz in der komplexen indischen Gesellschaft.

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David Copperfield – Vom Waisenkind zum Schriftsteller

Charles Dickens: David Copperfield

David Copperfield gilt nicht nur der interessierten Leserschaft als Meilenstein der Literaturgeschichte, auch Charles Dickens selbst bezeichnete den Text als sein „favourite child“, als sein liebstes Kind. Der Bildungsroman ist deshalb von zeitloser Schönheit, weil seine hochkomplexe Erzählstruktur von der Menschlichkeit seiner Figuren getragen wird und nicht umgekehrt.

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Von Superviren und Vampiren: Justin Cronins „Der Übergang“

Justin Cronin: Der Übergang

Man nehme einen gleichermaßen genialen wie skrupellosen Wissenschaftler und ein waffenfähiges Supervirus, das aus den Infizierten übermenschliche Bestien mit unstillbarem Blutdurst macht: Fertig ist die massenkompatible Vampir-Apokalypse. Justin Cronins Der Übergang ist ein durchaus ehrgeiziges Projekt, dem jedoch signifikante handwerkliche Mängel einen Pflock durchs Herz treiben.

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